Fachwerkhaus

Ein Fachwerkhaus ist ein Gebäude, dessen tragende Konstruktion aus Holzbalken gesteht. Die Zwischenräume werden entweder mit einem Stroh-Lehmgemisch oder mit Mauerwerk gefüllt.

Die senkrechten Balken, die Ständer, haben dabei die wichtigste Bedeutung. Sie tragen das ganze Gewicht des Hauses. Deshalb bezeichnet man ein Fachwerkhaus auch als Ständerbau. Die waagerechten Balken, die die Stockwerke bilden, nennt man Schwellen. Auch der Boden ist mit ihnen ausgelegt. Deshalb sagt man auch den Spruch "der kommt mir nicht über meine Schwelle", wenn man einen ungebetenen Besucher nicht ins Haus lassen will.

Die Balken zwischen den Ständern und Geschossen heißen Riegel. Sie werden in verschiedenen Mustern errichtet und geben zusammen mit den diagonalen Balken, den längeren Streben und den kürzeren Bändern dem Fachwerkhaus sein charakteristisches Gepräge. Diese Fachwerkbilder lassen Rückschlüsse auf die Entstehungsperiode und die Landschaft zu, aus denen die Häuser stammen. Am bekanntesten sind das Andreaskreuz und "der Mann".

Die Stockwerke eines Ständerbaus wurden oft nicht senkrecht übereinander gebaut, sondern in einer umgekehrten Treppenform. Das heißt, dass das höhere Stockwerk über das untere herausragte. Diese "überkragende" Bauweise erforderte sehr viel Gefühl der Zimmerleute für die Statik der Bauwerke. Manchmal stellten sie bis zu 8 Etagen übereinander.

Früher wurde für die Balken fast nur Eichenholz verwendet, heute hingegen benutzt man auch Douglasie, Lerche oder Leimholz wegen der hohen Kosten. Die Balken wurden nicht in Form gesägt sondern mühsam mit dem Beil behauen bis sie rechteckig waren. Zur Verbindung der Einzelteile wurden in der Regel die Balken miteinander verzapft und mit Holznägeln gesichert. Man zählt an die 20 unterschiedliche Holzverbindungsarten wie die Eckverkämmung, schräge Verblattung und viele andere. Bei den historischen Fachwerkhäusern wurden die Balkenköpfe und die Knaggen, die Kopfbänder, kunstvoll mit Ornamenten verziert. Pflanzenmotive aber auch Menschen- und Tierdarstellungen in kräftigen Farben waren sehr beliebt.

Die Zwischenräume, die Fächer, zwischen dem Ständerwerk wurden auf unterschiedliche Weise gefüllt. Im Schwarzwald nahm man dafür Holzbohlen, im niederdeutschen Gebiet mauerte man die Fächer mit Ziegelsteinen aus, wobei sie mit verschlungene Ornamenten und reichhaltigen Mustern versehen wurden. In Mitteldeutschland benutzte man ein Gemisch aus Lehm und Stroh, auf das Kalkputz mit eingeritzten Mustern aufgetragen wurde. Für diese Arbeit brauchte man Leute "vom Fach", so wie Handwerker mit ihrem speziellen Wissen heute noch genannt werden.

Für die Dächer wählte man, was die Gegend an Materialien zu bieten hatte. Es wurden Holzschindeln, Tonpfannen oder Schieferplatten verwendet. In den sumpfigen Gebieten Norddeutschlands oder an Flüssen grifft man auf Reetgras zurück.

Moderne Fachwerkhäuser unterscheiden sich kaum von der traditionellen Bauweise. Zwar ist man dazu übergegangen, auch Balkone oder sogar Wintergärten mit in die Planung einzubeziehen, aber nach wie vor wird das Haus an Ort und Stelle errichtet und nicht in einer Fabrik vormontiert.. Nur die Balken werden im Sägewerk vorgeschnitten. Früher wurden die Ständerwerke auf Streifenfundamenten aufgerichtet, die aus Findlingen, Bruchsteinen oder Ziegeln bestanden. Heute hingegen wird meistens eine durchgehende Stahlbetonplatte gegossen, auf die die Schweller aufgelegt werden.

Moderne Fachwerkhäuser sind gerne mit Reet gedeckt, weil sich das Fachwerk mit dem Strohdach zu einem ästhetischen Ganzen ergänzt. Reetdächer garantierten eine hervorragende Wärmeisolation und Schallschutz.